Im Schatten

Français à bas

In der aktuellen „Corona-Krise“ ist viel von ‚Solidarität‘ die Rede. Gilt sie allen Menschen?

Unsere Solidarität gilt heute, am Tag des Flüchtlings, besonders denjenigen, die unsichtbar sind, im Schatten der Gesellschaft leben.

Menschen, die vor Armut, Unterdrückung, Verfolgung, Diktaturen und Krieg nach Deutschland geflohen sind. Sie hofften, hier bessere Zukunftsperspektiven zu finden. Sie möchten die Sprache lernen, Arbeit und eine Wohnung finden, ihre Familien und Angehörigen unterstützen und ein selbstbestimmtes Leben führen.
Das wird ihnen häufig verwehrt. Statt sie willkommen zu heißen, werden sie nur ‚geduldet‘ und müssen jahrelang in unwürdigen Verhältnissen leben:

  • oft in Asylunterkünften, isoliert von der einheimischen Bevölkerung
  • häufig ohne Chancen die deutsche Sprache zu erlernen
  • ohne das Recht zuarbeiten und ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten zu können
  • ohne die Möglichkeit, ihre Familien in den Heimatländern zu unterstützen
  • konfrontiert mit bürokratischen Anforderungen, die sie nicht verstehen sowie mit alltäglichem Rassismus und Demütigungen
  • immer wieder von Abschiebung bedroht

Zwei Stimmen von vielen:

Mohammed kam 1996 hierher, nach Brandenburg. Seitdem hat er keine Aufenthaltserlaubnis, und deshalb keine Arbeitserlaubnis, obwohl er die Arbeitserlaubnis bereits mehrmals beantragt hat. Die Ausländerbehörde verlangt von ihm, seine Familie in seinem Land anzurufen, um seinen Pass zu besorgen, damit sie ihn abschieben kann.
Mohamed: „Ich sagte ihnen, dass ich seit fast 10 Jahren keinen Kontakt mehr zu meiner Familie habe, weil ich meine Familie nicht versorgen konnte, selbst wenn mein Kind krank war und nachdem es gestorben war, hatte ich keinen könnte Geld senden. Deshalb hat mich meine Familie ausgestoßen.Wie kann ich jetzt meine Familie anrufen, um sie zu bitten, meinen Pass zu organisieren? Ich habe nicht einmal mehr die Telefonnummer eines meiner Familienmitglieder.“

Cisse kommt aus Niger; „Ich kam 1998 und stellte einen Asylantrag. Ich wartete 6 Jahre auf meine erste Antwort. In diesen 6 Jahren hatte ich weder das Recht zu arbeiten noch das Recht zu lernen. Natürlich war die erste Antwort negativ. Ich hätte woanders hinziehen können, wenn ich diese negative Reaktion etwas früher gehabt hätte. Ich habe Berufung eingelegt. Bis mir gesagt wurde, ich solle das Land verlassen, hatte ich fast 8 Jahre verloren. Jetzt bin ich fast 22 Jahren in diesem Land ohne das Recht zu arbeiten. Als ich erfuhr, dass mein erster Sohn starb, konnte ich nicht einmal Geld schicken, um ihn zu begraben.
Die Leute reden über Corona-Beschränkungen oder Quarantäne. Ich bin jetzt in meinem 22. Jahr der Quarantäne und es gibt andere in der gleichen Situation.“

Zuerst die häufig traumatisierenden Erlebnisse in ihrer Heimat und auf der Flucht und nun diese Erfahrungen in Deutschland. Viele werden krank davon, sind verzweifelt, von Albträumen geplagt.
Auch in unserer Gruppe ‚Réenchanter l’Afrique‘ gibt es Menschen, die diese Erfahrungen gemacht haben. Und viele tausende machen sie immer noch. Ungezählte sind gezwungen, ohne Papiere hier zu leben – vollkommen rechtlos und besonders gut ausbeutbar. Und zudem noch als ‚Kriminelle‘ geächtet.

Im Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes heißt es: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Jeder hat das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit.
Wir finden es unerträglich, dass diese Grundrechte für geflüchtete Menschen nicht gelten.
Und wir finden es nicht akzeptabel, dass Bewegungsfreiheit, das Recht seinen Lebensort selbst zu bestimmen, nur für Menschen aus den reichen Industrienationen gilt und nicht für Menschen aus Afrika, Asien und Lateinamerika.

Solidarität ist unteilbar!

Sorgen wir dafür, dass sie auch diejenigen erfahren, die unsichtbar im Schatten unserer Gesellschaft leben und dass ihre unwürdige Lebenssituation immer wieder öffentlich benannt wird.

Unsere Forderung: Alle, die hier leben, müssen das Recht bekommen, zu arbeiten um ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten zu können.

Dans l’actuelle „crise de Corona“, on parle beaucoup de „solidarité“. S’applique-t-elle à tous ?

Notre solidarité est aujourd’hui, le jour des réfugiés, particulièrement orientée vers ceux qui sont invisibles, qui vivent dans l’ombre de la société.

Des personnes qui ont fui la pauvreté, l’oppression, la persécution, les dictatures et la guerre pour se réfugier en Allemagne. Ils espéraient y trouver de meilleures perspectives d’avenir. Ils veulent apprendre la langue, trouver un travail et un logement, subvenir aux besoins de leur famille et de leurs proches et mener une vie autodéterminée.
Cela leur est souvent refusé. Au lieu de les accueillir, ils sont seulement „tolérés“ et doivent vivre dans des conditions indignes pendant des années :

  • souvent dans des centres d’asile, isolés de la population locale
  • souvent sans aucune chance d’apprendre la langue allemande
  • sans avoir le droit de travailler et de gagner leur propre vie
  • sans avoir la possibilité de subvenir aux besoins de leur famille dans leur pays d’origine
  • face à des exigences bureaucratiques qu’ils ne comprennent pas
  • et avec le racisme et l’humiliation au quotidien menacé à plusieurs reprises d’expulsion.

Deux voix parmi tant d’autres:

Mohammed il est venu ici en 1996 vie à Brandnnburg.Depuis il n’a pas son séjour il n’a pas le permis de travail malgré qu’il a déjà demandé plusieurs fois le permis de travail. Les autorités d’immigration lui demandent d’appeler sa famille dans son pays pour obtenir son passeport afin qu’ils puissent l’expulser.
Mohamed: „Je leur a dit que je n‘ ai plus de contact avec ma famille presque 10 ans ,parce que je n’avait pas pu subvenir au besoin de ma famille ,même lorsque mon enfant était malade et après décédé, je n’avait pas pu envoyer de l’argent. C´est pouquoi ma famille ma rejetée. Comment je peut maintenant appeler ma famille pour leur demander, d´organiser mon passeport? Je n’avait même plus le numéro de téléphone de l‘ une de ma famille.“

Cisse vient du Niger ; je suis venu en 1998 après avoir demandé l’asile j’ai attendu 6 ans pour recevoir ma première réponse .Dans ces 6 ans là je n’avais ni le droit de travailler ni le droit d’apprendre ,évidemment la première réponse négative. J’aurais pu m’orienter ailleurs si j’avais eu c’est cette réponse négative un peu plus tôt. J´ai fait le recours. Jusqu’à ce qu’on me dise de sortir du pays j’avais presque perdu 8 ans. Maintenent je suis presque dans mes 22 années dans ce pays sans le droit de travailler. Lorsque j´ai’appris que mon premier fils est décédé, je n’ai même pas pu envoyer de l’argent pour l’enterrer.

Les gens parlent de restrictions corona ou de quarantaine. Je suis maintenant dans ma 22e année de quarantaine et il y en a d’autres dans la même situation.“

D’abord les expériences souvent traumatisantes dans leur pays d’origine et en fuite, et maintenant ces expériences en Allemagne. Beaucoup en tombent malades, sont désespérés, font des cauchemars.
Dans notre groupe „Réenchanter l’Afrique“, il y a aussi des personnes qui ont vécu ces expériences. Et plusieurs milliers d’entre eux les vivent encore. D’innombrables personnes sont obligées de vivre ici sans papiers – complètement sans droits et surtout exploitables. En outre, ils sont considérés comme des „criminels“.

L’article 1 de la Constitution allemande stipule : „La dignité humaine est inviolable. Toute personne a le droit au libre développement de sa personnalité.“
Nous trouvons intolérable que ces droits fondamentaux ne s’appliquent pas aux réfugiés.
Et nous trouvons inacceptable que la liberté de circulation, le droit de choisir son lieu de résidence, ne s’applique qu’aux personnes issues des nations industrielles riches et non à celles qui sont issues d’Afrique, d’Asie et d’Amérique latine.

La solidarité est indivisible !

Faisons en sorte qu’ils en fassent également l’expérience de ceux qui vivent de manière invisible dans l’ombre de notre société et que leur situation de vie indigne soit publiquement nommée encore et encore.

Notre exigence : Tous ceux qui vivent ici doivent avoir le droit de travailler pour gagner leur vie eux-mêmes.

Mural/Wandbild: 30 Jahre Mauerfall – 30 Jahre Festung Europa

9. November 2019: keine Reise- und Bewegungsfreiheit für alle Menschen – es gibt nichts zu feiern

Wir haben am 21. Oktober ein 6 × 3 Meter großes Mural/Wandbild an der Hauswand des Hauses in der Oranienstraße 1/Manteufelstraße 42 angebracht, auf dem steht:

„30 Jahre Mauerfall – 30 Jahre Festung Europa – gegen die Feier der Heuchler“

Am 9. November 1989 wurde die Berliner Mauer geöffnet, DDR-Bürger_innen konnten gefahrlos in den Western reisen. Gleichzeitig wurden die neuen Mauern und die Grenzabschottung der EU geplant, das Abschottungssystem der EU auf den Osten Europas und inzwischen bis in die Sahelzone ausgedehnt.

Die NGO United berichtet von 36.570 Menschen (Stand April 2019), die auf dem Weg in die EU starben. Die 36.570 Menschen, die an der tödlichsten Grenze der Welt starben, sind nur die Menschen, deren Leichen gefunden und gemeldet wurden. Es wird davon ausgegangen, dass dreimal so viele Menschen auf dem Weg in die EU starben. Mural/Wandbild: 30 Jahre Mauerfall – 30 Jahre Festung Europa weiterlesen

Gegen das neue Mauerregime in Europa

Mittwoch, 6. November
18.00 Uhr
Checkpoint Charly

Vor 30 Jahren fiel die Berliner Mauer, an der viele Menschen ihr Leben gelassen haben. Im Jubiläumsjahr 2019 gibt es eine Vielzahl von Gedenkveranstaltungen, die auf den menschenverachtenden Charakter dieses Bauwerkes und des dahinterstehenden Grenzregimes der DDR verweisen werden. Wir wollen dies zum Anlass nehmen, um das neue Mauer- und Grenzregime in Europa anzuklagen.

Wie können wir den Zusammenbruch eines Abschottungssystems feiern, während tagtäglich Hunderte an den europäischen Außengrenzen sterben oder in Lagern wie Schwerkriminelle eingesperrt und zum Teil sogar gefoltert werden?

Warum dulden wir, dass dieselben Politiker und Institutionen, die den Fall der Berliner Mauer als Akt der Freiheit preisen, gezielt die Militarisierung der Außengrenze und Vorverlagerung der europäischen Grenzen weit in den afrikanischen Kontinent hinein betreiben und dabei den Tod von Zigtausenden in Kauf nehmen?

Wir wollen uns nicht länger mit der Doppelmoral „schlechte Mauern, gute Mauern“ und dem dahinterliegenden Modell einer exklusiven europäischen Gemeinschaft abfinden. Wir rufen deswegen zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Mauergedenken auf!

Lasst uns das in der Vergangenheit geschehenes Unrecht nicht ignorieren oder relativieren! Lasst uns zugleich der zunehmend rassistischen und nationalistischen Stimmung in Europa, der Kriminalisierung von Migration, Fluchthelfer*innen und Seenotretter*innen eine solidarische, weltoffene und gerechte Perspektive entgegensetzen!

Mit Redebeiträgen von Renate Hürtgen – Aktivistin der ehemaligen linken DDR-Opposition,
Vertreter*innen von Corasol und RadiHum
Mit Unterstützung von Netzwerk Selbsthilfe
RADIkale HUManist*innen

Protest gegen Franc-CFA

Samstag, 14. September
12 Uhr
Pariser Platz
Berlin

Kann man Geld entführen?
Der Franc-CFA – das Unglück Afrikas – wird in Frankreich gedruckt.
Einer der wesentlichen Gründe für die „Unterentwicklung“ der Länder des frankophonen Afrikas ist die Währung Franc-CFA: Sie wurde im Jahr 1945 in den Kolonien Frankreichs eingeführt und ist bis heute ein Überbleibsel des alten Kolonialregimes.
Die CFA-Länder sind ihrer Möglichkeiten beraubt, eine eigene Wirtschafts- und Entwicklungspolitik zu betreiben, da sie nur sehr beschränkt auf ihre eigenen Finanzmittel zugreifen können: Auch heute noch müssen von den CFA-Ländern 50-70% ihrer Export-Erlöse für Rohstoffe und landwirtschaftliche Produkte bei der französischen Zentralbank hinterlegt werden.
Am 14. September 2019 finden in zahlreichen Städten Afrikas und Europas Demonstrationen gegen die Kolonialwährung Franc-CFA statt. Auch in Berlin!
Weg mit der Kolonialwährung Franc-CFA!
Für eine echte Souveränität der afrikanischen Länder!

Organisiert von: Afrika-Europa: Gemeinsam stark und Corasol

Veranstaltung in Potsdam: Externalisierung der EU-Grenzen nach Afrika

Veranstaltung der Initiative gegen das EU-Grenzregime

GIZ trains police and legal officers to better identify and protect victims of trafficking in Sudan
Die GIZ trainiert Polizei- und Justizbeamt_innen im Kampf gegen Migration (Quelle: EU Trust Fund for Africa)

Freitag, 13. September 2019
19.30 Uhr
Buchladen Sputnik
Charlottenstr. 28
Potsdam

Seit vier Jahren verschärft die EU ihre Anti-Migrationspolitik in Afrika. Flüchtlinge sollen nicht nur im Mittelmeer aufgehalten werden, sie sollen schon in Afrika selbst gestoppt werden. Die Grenzen der EU verlaufen heute durch die Sahara.
Mit Milliarden Euro und Erpressung werden afrikanische Länder auf Linie gebracht. Profiteure sind die europäischen Rüstungskonzerne, die die Technologie zur Grenzsicherung vorantreiben. Wir wollen der Frage nachgehen, was das für die Betroffenen selbst heißt und wie wir von Berlin aus intervenieren können. Gezeigt werden Ausschnitte aus den Videos »Grenzen dicht! Europas Schutzwall in Afrika« und »Türsteher Europas: Wie Afrika Flüchtlinge stoppen soll«.

Menschenmacht vs. Weltordnung

Demonstration vor dem Auswärtigen Amt
Werderscher Markt 1, Berlin
Donnerstag, 20. Juni 16 Uhr bis
Freitag, 21. Juni 17 Uhr

Demonstration-Sudan-2019-06-20

Die folgenden Mächte: Die USA, Großbritannien, Norwegen und Deutschland treffen sich am 21. Juni 2019 in Berlin mit der UNO, der Afrikanischen Union und der IGAD, um die Spannungen im Sudan “abzubauen”. Die Länder der Region, die die Gewalt gegen Demonstranten im Sudan unterstützen und finanzieren – Saudi-Arabien, die VAE und Ägypten – sind eingeladen. Doch die Forces for Freedom and Change, die die Forderungen der Revolution vertritt, wurde nicht eingeladen. Menschenmacht vs. Weltordnung weiterlesen